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Reaktive Arthritiden – schnell und sicher bestimmen


Neues Diagnostik-Verfahren erleichtert gezieltere Therapie

Gelenkentzündungen, die durch Bakterien hervorgerufen wurden, gehören zu den häufigsten Ursachen einer neu auftretenden Arthritis. Schätzungen zufolge sind solche Keime für rund ein Drittel aller Fälle von unklarer Ge-lenkentzündung verantwortlich. Auslöser solcher reaktiven Arthritiden können verschiedenste Bakterien sein: Borrelien, die durch einen Zecken-biss übertragen wurden (Lyme-Arthritis); Erreger von Entzündungen im Urogenitaltrakt (Chlamydien) oder aber von Magen- und Darminfektionen wie Salmonellen, Shigellen oder Yersinien.

Das Problem: Oft tritt die Gelenkentzündung erst Wochen oder gar Monate nach der Infektion auf. Deshalb ist es oft schwierig, den Zusammenhang zwischen Infektion und schmerzhaften, geschwollenen Gelenken zu erken-nen. Auch Erreger-spezifische Bluttests helfen häufig nicht weiter. Denn mit der klassischen Serologie lässt sich nur prüfen, ob der Patient jemals Antikörper gegen einen Keim gebildet hat. Ob die Infektion noch besteht oder schon lange abgeklungen ist, kann damit nicht geklärt werden. Ebenso bleibt unklar, ob die Erreger nur in Blase oder Darm aktiv waren oder auch in Gelenke vorgedrungen sind. Zwar gibt es seit einiger Zeit verschiedene PCR-Tests zum direkten Nachweis der Erreger in Gelenkflüssigkeit oder -gewebe. Doch die Verfahren waren bislang kaum vergleichbar und von unterschiedlicher Aussagekraft.

Forscher des Kompetenznetzes Rheuma haben jetzt ein sorgfältig evaluier-tes, hoch sensitives und spezifisches Diagnose-Verfahren entwickelt, das Medizinern in ganz Deutschland zur Verfügung steht: Ein spezieller Algo-rithmus ermöglicht es, bei der Abklärung unklarer Gelenkentzündungen so effizient und Kosten sparend wie möglich vorzugehen. Zudem kann jeder Arzt, der Gelenke punktiert, Synovia- und Gewebeproben zur Diagnostik in eines der Referenzlabore schicken (Adressen und weitere Informationen s.u.). Die Untersuchung dauert zwei bis drei Tage. Kliniker und niederge-lassene Ärzte, die über die nötigen Geräte verfügen, können die PCR-Tests auch selbst vornehmen: Die jeweiligen Protokolle sind kostenlos bei den Referenzzentren erhältlich.

Stellt sich heraus, dass eine Borrelien-Infektion vorliegt, stehen die Chan-cen gut: Mit Antibiotika lässt sich die Arthritis dann fast immer komplett heilen. Ob eine Antibiotika-Therapie auch bei einer durch Chlamydien bedingten Arthritis helfen kann, ist bislang offen.

Folgende Labore bieten die Testsysteme an:

1) Für den Nachweis von Chlamydia trachomatis-, Chlamydia pneumoni-ae- und Borrelia burgdorferi-DNA aus Synovialflüssigkeit und Urin:

Rheumalabor Abteilung Rheumatologie, OE 6850
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Strasse 1
30625 Hannover

2) Für den Nachweis von Borrelia burgdorferi-DNA aus Synovialflüssig-keit und Urin:

Immunologisches Labor der Medizinischen Klinik
Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie
Tucholskystr. 2
10117 Berlin


Vorgaben:

  • Die Materialeinsendung bitte mit Überweisungsschein
  • Material: native Synovia bzw.Urin (für Chlamydia trachomatis die erste Portion des Morgenurins; für Borrelia burgdorferi Mit-telstrahlurin) bzw. Liquor (für Borrelien)
  • Transport bei Raumtemperatur (nicht einfrieren!) und auf norma-lem Postweg



Datum: 29.04.2004 11:11:00
Prof. Dr. med. Jens Gert Kuipers  

Prof. Dr. med. Jochen Sieper  

Dipl. Biog. Cornelia Stolze  



 
 
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