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Praxis- und Klinikwegweiser
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Thema des Monats Februar/März 2003: Rationelle Labordiagnostik in der Rheumatologie (Arztversion)

An dieser Stelle wird jeden Monat ein aktuelles Thema aus dem Bereich der Rheumatologie von einem der sechs hier vetretenen Kompetenzzentren Rheuma für Patienten und Betroffene allgemeinverständlich erörtert. Es soll allgemeine Informationen zu einer bestimmten Krankheit enthalten, Verhaltenstips und evtl. typische Krankheitsverläufe und ggf. Heilungschancen.

Inhalt:

1. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich....

2. Welche Diagnostik ist bei dem Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung sinnvoll und notwendig?

3. Welche speziellen Laborparameter sind bei bestimmten rheumatologischen Erkrankungen notwendig?

4. Abbildungen

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Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.....

Nicht nur aufgrund der Sparzwänge, sondern auch zum Wohle des Patienten ist eine rationelle Labordiagnostik notwendig. Keine Labordiagnostik kann ohne sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung auskommen. Ebenso ist es unerlässlich, die Aussagefähigkeit der einzelnen Parameter und ihre Grenzen zu kennen.

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Welche Diagnostik ist bei dem Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung sinnvoll und notwendig?

Ergibt sich nach einer sorgfältigen Anamnese und klinischen Untersuchung der Verdacht auf eine rheumatologische Erkrankung, sollte als Laborroutine folgende Parameter bestimmt werden: Akut-Phase-Proteine (BSG, CRP), Blutbild mit Diff.BB (Zytosen, Zytopenien), Nieren-, Leberfunktionsparameter, Elektrolyte, Fe, Ferritin, Elektrophorese, LDH, Harnsäure, Gerinnung. Zusätzlich können apparative Untersuchungen wie Röntgen Thorax und Gelenke, EKG, Abdomen-Sono und evtl. Herz-Echo notwendig sein. Als Routineparameter aus dem Immunlabor sind Rheumafaktoren und ANA (Immunfluoreszenz) sinnvoll. Die Ergebnisse sollten dann mit den ACR-Kriterien abgeglichen werden, um zu klären, ob der Verdacht auf eine rheumatologische Errankung bestätigt oder ausgeschlossen werden kann.

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Welche speziellen Laborparameter sind bei bestimmten rheumatologischen Erkrankungen notwendig?

Zur Abklärung von Gelenkbeschwerden, insbesondere zur Differenzierung zwischen rheumatoider Arthritis, Spondylarthropathie, reaktiver Arthritis, Kristallarthropathie und Sarkoidose gehören folgende Parameter: Rheumafaktor, ANA, Immunglobuline, HLA B27, ACE, HBV, HCV, CMV, EBV, Parvo-B19, Gruber-Widal (Salmonellen, Yersinien), Chlamydien, Mykoplasmen, Borrelien, erweiterte Streptokokken-Serologie. Zur Verlaufskontrolle bei rheumatoider Arthritis sollten die Rheumafaktoren alle 3-6 Monate, ANA und Immunglobuline ca. jährlich bestimmt werden.
Werden in der ersten Diagnostik antinukleäre Antikörper (ANA) in der indirekten Immunfluoreszenz auf HEp-2-Zellen nachgewiesen, sollten diese durch den sog. ENA-Blot (ENA= extrahierbare nukleäre Antigene) differenziert werden, um die Spezifität der antinukleären Antikörper (z.B. SS-A/Ro, SS-B/La, RNP, Sm, Jo1, Scl70, Zentromer, Histone) näher zu bestimmen. Zusätzlich sollte ein dsDNA-Nachweis erfolgen. Ein negativer ANA schließt einen aktiven SLE weitgehend aus, bei begründetem klinischen Verdacht auf einen SLE kann jedoch in Einzelfällen der ENA-Blot auch bei negativem ANA sinnvoll sein.
Bei Hinweisen für einen systemischen Lupus erythematodes (SLE) gehören weiterhin Antiphospholipid-Antikörper und Lupusantikoagulans, Komplementfaktoren (CH50, C3, C4, C3d), Immunglobuline, evtl. ein Coombs-Test zur Diagnostik. Als Verlaufsparameter eignen sich vor allem CH50 und C3d; sie liefern Hinweise für einen gesteigerten intravasalen Komplementumsatz und sind aussagekräftiger als C3 und C4. ANA-Titer sind keine verlässlichen Aktivitätsparameter, eine Bestimmung ca. halbjährlich bis jährlich ist ausreichend! Eine Bestimmung der Kreatinin-Clearance und der Proteinurie im 24-h- Sammelurin sollte auch bei normalen Retentionswerten halbjährlich erfolgen. Weiterhin gilt beim SLE, dass das CRP in der Regel nur bei Serositis und oder einer Bakteriämie erhöht ist, somit eine CRP-Erhöhung immer eine differentialdiagnostische Abklärung hinsichtlich einer bakteriellen Infektion nach sich ziehen sollte und nicht einfach als Krankheitsaktivität gewertet werden kann.
Bei Vaskulitiden gehören neben Immunglobulinen und ANA auch ANCA-Bestimmungen zur Routinediagnostik. Bei einem positiven Befund in der Immunfluoreszenz sollte eine Differenzierung hinsichtlich Proteinase-3 (PR-3) und Myeloperoxidase (MPO) mittels ELISA erfolgen, hier eignen sich die Titer auch als Verlaufsparameter. Zur Abklärung der kausalen Ursache der Vaskulitis ist eine Hepatitis B und C-Serologie sowie der Ausschluss einer Neoplasie unerlässlich. Weiterhin ist vor allem bei HepC assoziierter Vaskulitis der Nachweis von Kryoglobulinen und Kryofibrinogen sinnvoll.
Die Durchführung eines Differentialblutbildes ist bei allen entzündlich-rheumatologischen Erkrankungen notwendig, da häufig Zytopenien (Lymphopenie, Neutropenie) vorkommen, entweder durch die Grunderkrankung oder therapieassoziiert. Lymphozyten Phänotypisierungen sind jedoch nur bei klaren Fragestellungen (z.B. Lymphopenie/opportunistische Infektionen - Bestimmung der CD4-Zellzahl) indiziert.

Die hier aufgeführten diagnostischen Parameter erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit, es sollte vielmehr ein grober Überblick über eine routinemäßige Abklärung gegeben werden. Die individuelle Diagnostik sollte sich immer nach den Ergebnissen der ausführlichen Anamnese und klinischen Untersuchung richten.

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4. Abbildungslegenden:

Abb.1:

Antinukleäre Antikörper verschiedener Spezifitäten


Abb.2:

Anti-Nucleäre Antikörper bei Kollagenosen


Abb.3:

Typische Laborbefunde bei SLE


Abb.4:

anti-Neutrophilen-Cytoplasma-Antikörper (ANCA)


Abb.5:

Kryoglobulineigenschaften


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Datum: 15.12.2003 14:57:00

Dr. med. Franziska Petschner  

Dr. med. Eva Sandrock  


 
 
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